Bundstein & Bundstein GbR – ein heutzutage kleiner Ackerbaubetrieb in Moringen/Südniedersachsen.

Mit meinem Bruder Andreas bewirtschafte ich ca. 80 ha Ackerland. Wir produzieren Weizen zum Backen, Raps zur Speiseölgewinnung und Zuckerrüben für die Zuckerherstellung. Bei allen drei Produkten können die übrig gebliebenen Pflanzenreste der Tierhaltung als Futter oder dem Acker als Pflanzennährstoffe dienen. Neu im Anbau ist eine sehr alte Getreideart, der Dinkel. Weiterhin produzieren wir aber noch andere, leider wenig beachtete und kaum honorierte Dinge. Mit unseren Acker- und Grünland- und Blühflächen stellen wir der Gesellschaft und besonders der in Städten und Ballungsräumen lebenden Bevölkerung eine wertvolle Landschaft zur Nutzung als Naherholungsgebiet zur Verfügung. Von dieser Möglichkeit machen die Menschen sehr häufig und regelmäßig Gebrauch. Sie gehen gern auf den von mir und meinen Berufskollegen gebauten und unterhaltenen Feldwegen spazieren oder reiten. Übrigens sind diese Wege und Straßen oft in einem besseren Zustand als die Wege der Kommune. In den Gräben, Graswegen, Hecken und Knicks geben wir der Artenvielfalt Lebensraum. Wie auch auf unseren Acker- und Grünlandflächen. Und noch etwas soll nicht unerwähnt bleiben. Unsere unversiegelten Flächen sind wichtig für Aufnahme der Niederschläge und die Auffüllung der Grundwasserspeicher. All diese Funktionen bieten Städte, Straßen und Plätze nicht. Unser von Landwirten geprägter ländlicher Raum ist also ein wichtiger Ausgleich um das komfortable Leben in den Städten erst zu ermöglichen. Leider wird auch dieses viel zu wenig von den Bewohnern dieser Städte gewürdigt. Es wird sogar noch mehr von uns verlangt, ohne zusätzliche Bezahlung natürlich, damit das Gewissen der Leute in den Ballungszentren weiter beruhigt werden kann.
Seit Übernahme des Betriebes im Jahr 2000 haben wir uns Nachhaltigkeit und Bodenfruchtbarkeit auf die Fahnen geschrieben. Wir bearbeiten sämtliche Äcker ohne den Pflug. Mulchsaat und seit 2012 Direktsaat sind unsere Verfahren um die neue Saat bodenschonend in die Erde zu bringen und Wind- und Wassererosion zu vermeiden. Wir verhindern damit ebenfalls oberflächlichen Nährstoff- und Pflanzenschutzmittelaustrag sowie die Auswaschung von Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln ins Grundwasser. Der Boden wird so zum Grundwasserfilter. Das Leben (Regenwürmer u.v.m.) unter der Bodenoberfläche (welches leider keine so gute Lobby hat wie die Bienen) nimmt exponentiell zu und hilft uns die Bodenfruchtbarkeit und den Humusaufbau zu steigern. Mineraldünger und Pflanzenschutz werden nur nach Pflanzenbedarf und wissenschaftlichen Untersuchungen sowie den Empfehlungen der offiziellen Beratungen angewendet. Ganz ohne geht es leider nicht wenn wir gesunde, marktfähige Lebensmittel in ausreichender Menge produzieren wollen, die die Grundlage für unseren Lebensunterhalt sind. „Landwirtschaft ist die Kunst hochwertige Nahrungsmittel für andere zu produzieren ohne selbst dabei zu verhungern.“
Sicherlich kann man Lebensmittel auch anders produzieren, aber nicht wenn nur 11% des Verbrauchereinkommens für Lebensmittel aufgewendet werden und weniger als 2% der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft arbeiten (wollen). Wenn man diese Prozentsätze wieder anheben würde, könnte man in entsprechendem Maße auf steigende Produktivität im Agrarsektor, die unwissender Weise von einigen als „industrielle Landwirtschaft“ und „Massentierhaltung“ bezeichnet wird, verzichten.
Ich freue mich auf ein Feedback
Bernd Bundstein

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