Wolf - nein Danke

Seit Wochen finden die Landwirte immer wieder Spuren von „Hunden“ rund um ihre Kuh Herde.

Wölfe? Aber das Rudel ist ja 13 km entfernt beheimatet. Das kann doch nicht sein? Oder doch?

Das Verhalten der Kühe hat sich in der letzten Zeit verändert. Sie stehen nicht mehr weit verstreut auf der Weide, sondern halten sich in der Regel eng beieinander auf. Eine zweite Tränke musste aufgestellt werden, damit auch die rangniederen Tiere die Chance haben zu trinken, denn wenn das Leittier seinen Durst gelöscht hat, zieht es weiter und die niederen Tiere müssen sich entscheiden, ob sie bei der Herde den Anschluss nicht verpassen wollen, oder trinken.

Unwissenheit. Wo genau lebt das Rudel, wie sieht ihr Territorium aus?
Wie viele sind es? Offiziell spricht man bei dem Rudel von 13 Tieren. Ein Jäger munkelt was von 17 Tieren. Was sagen diese Zahlen aus?
Sind es Wölfe, die um die Herde streifen oder nicht? Fußspuren von Spaziergängern sind nicht dabei. Also kein Gassigeher, wenn dann eher streunende Hunde.
Eine Frau aus dem Internet sagt, die kundschaften aus. Ihre Einstellung zu Wölfen ist schwer einzuschätzen. Sie sagt, sie ist für den Wolf, aber sehr kritisch mit ihren Fragen und Aussagen.
Eine andere Frau sagt, den Kühen passiert nichts. Wölfe gehen in der Regel nicht an Kühe. In der Regel? Was ist nicht die Regel?
Wie kann man die Kühe besser schützen?
Inzwischen sind die Spuren täglich rund um die Weide zu sehen. Sie kommen über die Straße, soviel steht fest …. Aber was es ist … der Verdacht dass es Wölfe sind, macht sich immer stärker breit. Der Landwirt bestellt eine Wildkamera, um genauere Informationen zu erhalten.
Wie muss ein Zaun geschaffen sein, um Wölfe von der Kuhweide abzuhalten?
Der bisherige Zaun ist 90 cm hoch mit 3 Litzen. Ein Blick auf die Internetseite vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg. Dort ist folgendes zu lesen:
http://www.mlul.brandenburg.de/c…/detail.php/bb1.c.414160.de
III. Rinder
Mindeststandard
Für die Gewährung einer Beihilfezahlung im Schadensfall reicht es aus, wenn die Einzäunung abhängig von der Haltungsform (Mutterkühe, Bullen etc.) und des Abstands der Weide zu Gefahrenquellen (z. B. stark frequentierte Verkehrswege wie Autobahnen, Bundesstraßen, Bahnlinien, Flugplätze o. a.) dem jeweils in der aid-Broschüre „Sichere Weidezäune“, Heft 1132/2016, empfohlenen Zäunungsstandard entspricht. Gem. dieser Broschüre ist bei einem Abstand der Weide von
a. 500 m oder weniger zu Gefahrenquellen ein Festzaun mit drei stromführenden Stahldrähten (bei Milchkühen ist ein Festzaun mit nur zwei stromführenden Stahldrähten ausreichend, bei Mutterkühen mit Nachzucht ist bei besonders hohem Risiko ein Festzaun mit vier stromführenden Stahldrähten erforderlich),
b. 500 – 1.000 m zu Gefahrenquellen ein Festzaun mit drei stromführenden Stahldrähten (bei Milchkühen ist ein Festzaun mit nur einem stromführender Stahldraht oder ein Elektrozaun mit einem stromführenden Kunststoffdraht ausreichend),
c. mehr als 1.000 m zu Gefahrenquellen:
aa) Bullen: Festzaun mit drei stromführenden Stahldrähten
bb) weibl. Jungrinder: Festzaun mit zwei stromführenden Stahldrähten oder Elektrozaun mit zwei stromführenden Kunststoffdrähten
cc) Mutterkühe mit Nachzucht: Festzaun mit zwei stromführenden Stahldrähten
dd) Milchkühe: Elektrozaun mit einem stromführenden Kunststoffdraht
einzuhalten.
Zusätzliche Empfehlung
Keine.
Sollte im Einzelfall eine Weidesicherung erforderlich werden, die über die Zäunungsstandards der aid-Broschüre „Sichere Weidezäune“ hinaus geht, ist dieser wolfsbedingte Mehraufwand förderfähig.

Noch einmal genau durchlesen. Bloß nichts falsch verstehen. Die Broschüre kostet im Übrigen mindestens 6,99 zzgl. Versandkosten. Wolfsverherrlichende Flyer "Willkommen Wolf" gibt es gratis. Werkzeug für den Landwirt muss bezahlt werden.

Also Mutterkuhhaltung. Festzaun.
Geht hier gar nicht. Auf Pachtland darf man nur mit Genehmigung vom Eigentümer Festzäune bauen und Stacheldraht war mal verboten. Ob dem heute noch so ist, muss erst wieder recherchiert werden. Zeit, die in den Erntemonaten fehlt.
Die Kühe des Landwirtes sind mit 3 Stromlitzen an Stahlstäben mit Isolatoren eingezäunt. Die Flächen müssen ständig wechseln, damit zum einen immer frisches Futter zur Verfügung steht und zum anderen die Düngeverordnungen eingehalten werden. Ja auch das muss bedacht werden. Eine feste Koppel ist gar nicht möglich, da pro Hektar Fläche die Kühe nur entsprechende Mengen an Dung austragen dürfen.
Oder viele feste Koppeln, aber die Kosten dafür, sie übersteigen den Wert der Herde.
Wenigstens eine feste Winterkoppel? Aufgrund der Auflagen, keine Chance. Da es ein Bio-Landwirt ist, Stallhaltung nicht möglich.
Dazu kommt, selbst wenn der Landwirt feste Zäune baut, muss er von den Deichen und Gräben 5 Meter Abstand halten, damit vom Gewässeramt diese immer bearbeitet werden können. 5 Meter, das Bedeutet bei einer Zaunlänge von 100 Metern 500 qm Flächenverlust. Und das ist nun erst mal nur eine Zaunseite.
Täglich fällt der Blick des Landwirtes auf die Spuren rund um seine Weide. Kälber kommen zur Welt. Die Nachgeburten wurden bisher von Fuchs und Krähen versorgt. Wer ist wohl am schnellsten? Fuchs, Krähe oder Wolf? Man kann davon ausgehen, wer gerade am nächsten dran ist, macht das Rennen.
Inzwischen führen die Spuren auch auf die Weide. Nicht mehr nur außen herum.
Der Landwirt ist sich bewußt, dass er auf einer tickenden Zeitbombe sitzt. Aber was tun?
Herdenschutzhunde dazu stellen geht nur, wenn die Weide mindestens mit einem Schafnetz eingezäunt ist, das müsste dann noch außen um die normalen Zäune rum. Wobei hier ja auch wieder zu beachten ist, dass der Zaun an Deichen und Gräben 5 Meter Abstand haben muss. Weiterer Flächenverlust.
Zwei Hunde müssen es aus tierschutzrechtlichen Gründen sein. Französische Hirten empfehlen immer 3 Hunde. Kosten für einen ausgebildeten Hund liegen zwischen 3.000 und 5.000 Euro. Und ausgebildet müsste er schon sein, weil die Wölfe sind ja schon da. Die spekulieren schon fleißig auf die Herde.
Wird die Rinderherde die Hunde akzeptieren? Bei den eigenen Haushunden reagieren sie sehr unfreundlich, wen sie zu nah an die Kälber kommen. Die Hunde sind schlau genug und halten den Abstand zur Herde. Aber der Herdenschutzhund soll sich ja mitten drin aufhalten. Wer trägt die Kosten, wer hat die Zeit? Jetzt gerade ist Erntezeit. Das Futter für den Winter muss vor dem nächsten Regen rein.
Weitere Fragenbeschäftigen den Landwirt:
Wenn die Herdenschutzhunde einen Hund packen, der mit seinen Besitzern dort vorbeigeht? Wer zahlt den Schaden? Die Versicherungen geben keine klaren Antworten und berufen sich auf die Einzelfallprüfung. Er wohnt mitten im Tourismusgebiet. Soll er jetzt jeden Besucher darauf hinweisen, dass er seine Hunde bitte nur noch an der Leine führt, damit es zu keinen Irritationen kommt?
Was passiert, wenn die Herde doch in Panik durch die Zäune bricht?
Er versucht, seine Gedanken um seine Herde zu verdrängen, setze sich auf seinen Traktor und konzentriert sich auf seine Erne …. Schwerlich …. Immer wieder die Gedanken an seine Herde. Jede Fahrt an der Herde vorbei wird zur Kontrollfahrt. Nervliche Anspannung. Keine Kuh steht abseits? Ok, durchatmen. Alle Kälber scheinen bei der Herde zu sein.
Da ist man schon Bio-Landwirt, achtet strengstens darauf, alle Auflagen einzuhalten, erfreut sich an jedem Kälbchen, was auf der Weide artgerecht geboren wird und wenn es dann über die Weide springt und nun wird einem bewußt, dass dies alles ein jähes Ende haben kann, wenn der Wolf versteht, dass es dort Beute gibt.
Die Angst, das zu erleben, was man bisher nur aus den Internetseiten kennt, zermürbt. Angst vor den schrecklichen Bildern von lebend angefressenen Tieren, von halb aufgefressenen Kadavern. Angst davor, dass die Herde in Panik davonrennt, auf die Straße. Erst kürzlich war irgendwo ein Motorradfahrer verunglückt, weil eine Herde hinter einer Kurve gestanden hatte.
Da ist man leicht geneigt zu denken, Heiliger Sankt Florian, zünd das Haus der anderen an. Doch im Interesse der Gemeinschaft der Landwirte wünscht man natürlich niemandem diese Szenarien.
Die Aufgabe des Hofes ist im Übrigen in den nächsten 3 Jahren nicht möglich, da die Fördergelder noch für diesen Zeitraum laufen. Sofern der Hof eher aufgegeben wird muss das komplette Fördergeld zurückgezahlt werden. Da dieses aber im Betrieb steckt würden Haus und Hof verloren gehen.
Die schlaflosen Nächte werden wohl in den kommenden Monaten nicht enden. 15 Jahre Wolf in Deutschland und noch immer gibt es keine sinnvollen Lösungen oder Hilfestellungen für den Landwirt.

Wie die Geschichte weiter geht, lest Ihr hier später...

(Text: Silke Engelhardt)

 



Die Wölfe sind zurück in Deutschland

Der wissenschaftliche Name des Wolfes lautet ,,Canis lupus".
Auf ihren Streifzügen legen Wölfe oft 20 oder mehr Kilometer in einer Nacht zurück. Im lockeren Trab bewegen sie sich mit ungefähr 8 km/h fort. Bei der Verfolgung von Beutetieren werden sie kurzzeitig über 50 km/h schnell. Haben die Wölfe ihre Beute nach wenigen hundert Metern aber nicht eingeholt, geben sie schnell auf.Familienverbände aus meist fünf bis zehn Tieren, bei denen es sich in der Regel um Elterntiere mit ihren Welpen und den Welpen des Vorjahres handelt. Stehen den Wölfen schwere Beutetiere zur Verfügung, kann ein Rudel auch einmal bis zu 20 Wölfe groß sein.Die Ansprüche des Wolfes an den Lebensraum sind ausgesprochen gering. Wölfe können überall leben, wo es genügend Beutetiere gibt und einige ungestörte Winkel, in denen sie ihre Welpen aufziehen können.

Was fressen die Wölfe?
Laut NABU v.a. krankes und altes Schalenwild. Zitat: "Nutztiere hingegen, wie zum Beispiel Schafe, stehen nur sehr selten auf der Speisekarte. Weniger als ein Prozent macht ihr Anteil aus. Solange Schafe gut geschützt sind, meiden Wölfe die Gefahr, mit Elektrozäunen oder Herdenschutzhunden in Kontakt zu kommen. Herden sollten also stets gut geschützt sein." Nur die Wolfsübergriffe auf unsere Neutztiere häufen sich. Landwirte und v.a. Schäfer haben Angst vor Wolfsübergriffen und ärgern sich über die "Abhandlung" nach Wolfsübergriffen.

Was häufig vollkommen vergessen wird, ist eine mögliche Übertragung von Krankheiten durch den Wolf - hier seien nur AK, Borreliose und Räude genannt.

Zudem sollte die Gefahr für den Menschen nicht unterschätzt werden, denn Wölfe sind keine kleine, niedliche Hunde.

Was meinen unsere Landwirte zum Thema Wolf? Hier einige Stimmen:

„In den wenig besiedelten Gebieten der neuen Bundesländer halte ich die Rückkehr des Wolfes für unproblematisch. Kritisch wird der Wolf in der Nähe von Ortschaften und Siedlungen.
Die Frage muss erlaubt sein: wie schützen wir Menschen und Haustiere? Was ist mit den Haustieren die Ökoflächen pflegen und dem Wolf oftmals schutzlos ausgeliefert sind.“

„Wir haben hier auch schon Wölfe. Und ich denke es ist eigentlich zu wenig Platz für den Wolf. Zumal hier zu jeder Tages und Nachtzeit im Wald gewandert, geradelt und sonst was gemacht wird.“

„Meine Ansicht dazu ist ganz pragmatisch: Der Wolf ist nun mal da, also müssen wir uns irgendwie mit ihm arrangieren. Von seiner Lobby geht eh die Devise aus, alle wollen ihn, was ich mehr als arg bezweifle. Machen wir es so, wie die anderen Länder in denen der Wolf schon länger oder durchgängig vorkommt. Ein vernünftiges Wolfsmanagement einführen. Das heißt Bestandsobergrenzen festlegen, Vorgehensweise bei problematischen Individuen/Rudeln etc. ...“

„Die Hamburger dürfen für/gegen Olympia abstimmen. Was wäre, wenn die Dorfbevölkerung über den Wolf abstimmen würde? Was wäre, wenn nur Landwirte/Schäfer befragt werden würden?
Der Wolf hat in dicht besiedelten Gebieten nix verloren und toll, dass es da ist, finden das eher die großstädtischen Gutmenschen- so jedenfalls mein Eindruck!“

„Ich halte es für wichtig, dass der Wolf ins Jagdrecht kommt, damit zu dem Zeitpunkt da es Probleme gibt, die Jäger handeln können.“

„Ich spreche mich gegen die Wieder-Ansiedlung des Wolfes aus. Gründe: Siedlungdichte ist in D überall zu hoch, die Anpassungsfähigkeit des Wolfs wird massiv unterschätzt und die Scheu massiv überhoben.
Selbst von (kleinen) Biberschäden betroffen, sehe ich die große Diskrepanz zwischen der Realität und der verkündeten Entschädigungspraxis. Wogegen die Einhaltung des Artenschutzes regelrecht zelebriert wird.
Die den Landwirten zugemuteten Schäden sind enorm.
Beim Wolf wird das keine andere Vorgehensweise geben.
Die Konflikte werden massiv zulasten der Tierhalter sein - während der Großteil der nichtbetroffenen Bevölkerung dank jahrelanger Verniedlichung des Konfliktpotentials sich pro Wolf aussprechen werden.
Wer sich die benötigte Reviergröße je Wolfsrudel wirklich vor Augen hält, muss entweder zum Schluss 'kein Platz für Wolf' gelangen oder zur Alternative, dass die Scheu anselektiert war (siehe Ausrottung) und jetzt andersherum (der Artenschutz ist sehr streng) die Wölfe im Vorteil sind, die eine höhere Neigung zum Kulturfolger haben.
Eichelhäher, Krähe, Fuchs und Wildschwein machen momentan deutlich klar, dass sie beängstigend schnell ihre Scheu ablegen - was beim Wolf als großen Beutegreifer andere Qualitäten bedeuten wird!“

„Über den ersten Biber hat man sich bei uns auch gefreut......und heute ist er fast schon ein Problem.
Und beim Wolf sehe ich das noch viel problematischer.“

 

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