Den Kühen mal über die Schulter geschaut...

Hallo!

Unsere Namen sind Pirna, Rhone, Pippi und Panama. Wir haben einen ganz entspannten Tagesablauf - kommt doch einfach mal mit:

Morgens um 5.30 Uhr beginnt für unser Personal die Arbeit. Sie reinigen unseren Futtertisch, füttern unsere Kälber, machen unsere Betten und säubern den Fußboden. ...
Um 6.30 Uhr gibt es endlich Frühstück. Wir fressen alle das leckere Silo. Fressen macht müde, und deswegen legen wir uns für ein kleines Nickerchen wieder hin. Einige schnacken auch noch mit Freundinnen oder gehen in den Wellnessbereich zur Bürste. Eigentlich macht jeder das, wozu er grade Lust hat...

Mittags wird das Futter angeschoben, und dann müssen wir uns beeilen- schnell hinlaufen und die Sahnestückchen raussuchen. 😉 Anschließend gibt es eine richtig schöne Mittagsstunde.

Nachmittags reinigt unser Personal erneut den Boden und macht unsere Betten. Am Abend kommt der Trecker und fährt mit den Gästekindern eine Runde. Oh, die lieben Feriengäste, die sind klasse! Die streicheln uns so viel und fegen unser Futter heran. Das mögen wir sooooo gerne!

Ach, das Melken dürfen wir nicht vergessen. Wir können den ganzen Tag zum Melken gehen. Wir haben nämlich einen Roboter! So können wir zum Melken gehen so oft und wann wir wollen (höchstens jedoch viermal am Tag). Der Roboter gibt uns leckeres Schrot (aber wir gucken auch einfach mal so im Roboter vorbei, vielleicht hat eine andere ihr's nicht aufgefressen). Und wenn wir das Melken vergessen, erinnert unser Personal uns dran, dass wir noch einmal dahin müssen.

Im Sommer dürfen wir auch auf die Weide, aber erst, wenn wir im Melkroboter waren. Toll ist auch der Herbst, wenn nämlich dann das ganze Obst reif ist und von den Bäumen fällt, dürfen wir es aufnaschen. 😊

Soviel zu unserem Tag. Wir müssen mal wieder an die "Arbeit". (Sagt es nicht weiter - nur der Wellnessbereich wartet)

 

Wir sagen vielen Dank für die Übersetzung Kuh-Landwirt an Agnes Greggersen!

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Muttergebundene Kälberaufzucht

 

 

 

Muttergebundene Kälberaufzucht…

 

Was heißt das bei milchproduzierenden Systemen?

 

Bei der muttergebundenen Kälberaufzucht haben die Kälber über einen Zeitraum von mehreren Monaten Kontakt zu ihren Mutterkühen oder zu Ammenkühen, die mehrere Kälber säugen. Sie werden zweimal täglich entweder vor oder nach dem Melken zu ihren Müttern gelassen, damit sie dort saugen können. Alternativ sind sie ganztägig bei einer Ammenkuh, die dann mehrere Kälber säugt.

 

Viele Menschen meinen, dass so weder Kuh noch Kalb einen Trennungsstress ausgesetzt ist. Dem ist jedoch nicht so – der Zeitpunkt verschiebt sich jedoch nach hinten. Ist das ein Vorteil? Nein – denn der Absetzstress ist für Mutter und Kalb größer als beim frühen Trennen am ersten Tag. (Quelle: https://www.fibl.org/…/1575-muttergebundene-kaelberaufzucht… - Seite 7)

 

"Ein Blick in natürliche Herden zeigt: Die Mutter hat nicht von Anfang an eine Bindung zu ihrem Kalb. Wird ein Kalb tot geboren, nehmen das die meisten Kühen verhältnismäßig gleichgültig hin. Das ist auch der Grund, warum die Trennung von Kuh und Kalb direkt nach der Geburt relativ problemlos funktioniert." Zitat Schloss Tonndorf (muttergebundene Kälberhalter).

 

Was meinen unsere Experten?

 

Heike: Wir haben es in unserem Laufstallbetrieb vor über 20 Jahren probiert mit der muttergebundenen Aufzucht. Es hat nicht funktioniert, gab ständige Unruhe im Bestand. Seitdem trennen wir Mutter und Kind nach wenigen Stunden. Es ist Ruhe im Betrieb (ganz selten brüllt mal eine Kuh ihrem Kalb hinterher) und Ruhe im Kälberstall. Bei uns ist der Kälberstall 1 km vom Kuhstall entfernt, so dass es auch hygienische Vorteile hat, diese Trennung vorzunehmen (Unterbrechen von Infektionsketten). Seit einigen Jahren haben wir allerdings für die Kälber keine Einzelboxen mehr, sondern sie kommen in Gruppenbuchten. Seither kann man dann zwar das Kolostrum der Mutter nicht mehr an das eigene Kalb genau zuordnen (bzw. man versucht es, aber die Kälber drängeln sich auch gern mal weg), aber das ist unbedeutend, da jedes Kalb das Erstkolostrum von der Mutter schon intus hatte. Ich kenne auch größere Betriebe, die das so praktizieren und wo es gut läuft. Aber es gibt auch Betriebe, bei denen das nicht funktioniert hat. Es kommt immer auf den Einzelbetrieb und auch auf das Personal an.

 

Roswitha: Wir haben es auch über Jahre so gehandhabt, dass die Kälber mindestens 24 Stunden bei den Müttern blieben (teils vielleicht auch, weil unsere Feriengäste das einfach "besser" fanden). Negative Ergebnisse gab es genug: im Laufe der Jahre einige Kälber, wo sich die Mutter drauf gelegt hat trotz sehr großer Strohbox, wo sie auch in der Regel schon eine Weile vorher drin sind; ein Kalb mussten wir einschläfern, weil die Mutter ihm wohl auf die Schulter getreten ist; mehrere Kälber, wo wir gedacht haben, sie trinken gut an der Mutter, mit viel Mühe dann aufgepäppelt, weil es wohl doch nicht so war... vor allem bei Erstkalbinnen Probleme, dass sie zwar das Kalb ans Euter ran lassen, aber uns dann gar nicht mehr gerne, vor allem haben gerade diese Tiere sehr oft die Milch aufgehalten. Bestes Beispiel für mich war immer noch unsere "Dickie", die aus der Abkalbebox nachts im Dunkeln ausgebüxt ist, nach draußen marschiert ist, ihr Kalb neben einem leeren Iglu "abgelegt" hat und wieder in die Abkalbebox zurückgegangen ist...

 

Michael: Ich würd mich da nicht ran trauen! Ich merke es jetzt am Roboter. In kritischen Phasen (Sommerhitze z.B.) bekommen Kühe, die einmal nicht sauber ausgemolken sind, sofort Probleme mit dem Zellgehalt und diese Kühe wären ja ständig nicht sauber ausgemolken. Der Zellgehalt ist ein Indikator für die Eutergesundheit. Der Kontakt des Kalbes (auch des Melkzeuges oder der Melkerhand) mit der Kuh stimuliert den Milchfluss. Diese Milch ist dann im Euter und muss, falls nicht abgemolken, vom Stoffwechsel der Kuh abgebaut werden. Dadurch sinkt nicht nur die Milchleistung, sondern die Kuh wird mit 100 %-iger Sicherheit krank.

 

https://www.facebook.com/fragdenlandwirt/posts/497740963720361

 

Birgit: Bis die Kuh dann gemolken wird, dauert es ja auch noch eine Weile. So lange hat sie dann ja auch "Druck" auf dem Euter. Lässt man das Kalb erst hinterher ran, dann nuckelt das Kalb ewig am leeren Euter. Das ist mit Sicherheit auch nicht angenehm. Deshalb hat für mich die muttergebundene Aufzucht auch mehr Nach- als Vorteile, und ist in meinen Augen nix halbes und nix ganzes.

 

Andrea: Ich halte es prinzipiell nicht für unmöglich, auch aus hygienischer Sicht nicht. Es ist nur in kleinen oder kleinsten Beständen möglich. Das "Problem" der Trennung wird nur verschoben, nicht aufgehoben. Ich kenne keinen Betrieb, der es bei einer Leistung von 8000-10000 l mit Holsteins macht. Ich denke, das ist die falsche Rasse für sowas. Man braucht viel Personal, die Kälber werden direkt vor dem Melken - also nur zweimal täglich, von wegen "frei" - zu den Müttern geführt und dürfen dort saugen.

 

Wenn Ihr weitere Fragen zu diesem Thema habt – gerne. Schreibt uns einen Kommentar oder eine Mail.

 

 

 

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Vom Schemel zum Roboter

 

 

 

Vom Schemel zum Roboter

 

 

 

Noch vor einigen Jahrzehnten saßen die Frauen und Männer mit dem Schemel unter der Kuh und haben die Tiere mit der Hand gemolken. Neben der enorm anstrengenden Arbeit ist das sicher auch aus hygienischen Gründen nicht mehr zeitgemäß.

 

 

 

Seit einigen Jahren gibt es jetzt schon vollautomatische Melksysteme (AMS) - kurz auch "Melkroboter" genannt.

 

 

 

Hierbei geht die Kuh ganz alleine zum Melken. Sie trägt einen Transponder, so dass der Roboter sie erkennt. Jede Kuh ist beim Roboter "registriert", d.h. er erkennt am Transponder die Kuh und damit auch das Euter, sprich die Zitzenstellung. Zunächst erfolgt auch hier mit rotierenden Bürsten oder einem speziellen Vormelkbecher und Wasser eine Reinigung des Euters bzw. der Zitzen. Das Melkgeschirr wird dann ohne jegliche manuelle Hilfe mit Erkennungssysteme auf Basis von Ultraschall, Lasern und optischen Sensoren an das Euter der Kuh angelegt.

 

 Nach dem Melken werden die Zitzen gedippt, um einen Schutz gegenüber Keimen zu bieten.

 

 

 

Moderne Systeme sind außerdem dazu in der Lage, während des Melkvorgangs per Leitfähigkeit bzw. pH-Wert automatisch Milch mit Flocken oder Blut auszusortieren. Tests ergaben, dass diese Systeme sehr genau arbeiten können und alle nicht verkehrsfähige Milch aussortieren, ohne dabei irrtümlich einwandfreie Milch zu verschwenden.

 

 

 

Damit die Kuh gerne zum Melken geht, erhält sie im Roboter Kraftfutter. Wie schon oben erwähnt, wird das Tier per Transponder erkannt. Falls eine Melkberechtigung besteht, wird der Kuh Futter zugeteilt. Falls das Tier jedoch bereits vor kurzer Zeit gemolken wurde wird es maschinell aus der Anlage hinausgetrieben ohne an Futter zu gelangen.

 

 

 

Der Melkroboter hat neben der enormen körperlichen Arbeitsentlastung den riesen Vorteil der zeitlichen Flexibilität. Der Landwirt gewinnt zudem mehr Zeit für die Tierkontrolle. Außerdem erhält der Landwirt eine umfangreiche Datenerfassung zur besseren Kontrolle der Tiergesundheit und somit einen optimalen Herdenüberblick.

 

 

 

Die tägliche Leistung (abhängig vom Hersteller) einer Ein-Box-Anlage beträgt etwa 170 bis 200 Melkungen pro Tag, d. h. es können pro Melkbox ca 60 - 70 Kühe gemolken werden.

 

 

 

Auch hier gibt es ein tolles Video bei MyKuhtube - schaut doch einfach mal rein:

 

https://www.youtube.com/watch?v=uNGDBb5977s

 

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