Thymian, Rosmarin, Oregano – nur Pizzagewürz???

Hallo,

meine Name ist Lars Mithoff, ich bin 21 Jahre alt und studiere zur Zeit im dritten Semester Landwirtschaft an der Hochschule Osnabrück.

Meine Eltern bewirtschaften einen konventionellen landwirtschaftlichen Betrieb mit Fresseraufzucht und Ackerfutterbau im Landkreis Osnabrück. Hier helfe ich neben dem Studium tatkräftig im Stall und Büro mit. Ich möchte heute kurz einige Strategien zum Gesundheitsmanagement vorstellen, Euch jedoch zunächst eine kurze Erläuterung zu unserm Betrieb geben.

Fresseraufzucht ist ein hoch spezialisierter Betriebszweig. Wir kaufen die männlichen drei bis vier Wochen alten Kälber der Rasse Braunvieh mit ungefähr 65 kg ein. Bei uns werden sie ca. 6 Wochen mit Milch versorgt und anschließend noch ungefähr 10 Wochen gefüttert. Die nun fünf Monate alten und 190 bis 200 kg schweren Tiere werden als „Fresser“ bezeichnet und an den Bullenmäster weiterverkauft. Dieser mästet sie nun noch 15 Monate bis sie ihr endgültiges Schlachtgewicht erreicht haben.

Nun aber zu meinem eigentlichen Thema. Der Einsatz von Antibiotika in der modernen Tierhaltung ist aktuell mit Sicherheit eins der meist diskutierten Themen rund um die Landwirtschaft. Heute möchte ich Euch zeigen, auf welche Weise wir zu Hause versuchen, die Gesundheit unserer Tiere zu fördern und somit den Einsatz von Antibiotika zu reduzieren.
Der wichtigste Einflussfaktor auf die Gesundheit des Tieres ist seine Umwelt. Das Stallklima ist bei uns möglichst nahe am Außenklima gehalten. Wir haben offene Ställe, in denen die Luftqualität der Außenluft entspricht. Die kleinen Tiere schützen wir vor Zugluft und Kälte durch bewegliche Netze bzw. Folien und durch die Installation eines Kälberhimmels (eine Art Zwischendecke). Durch diese offene Bauweise und die wechselnde Witterung gewöhnen sich die Tiere an das Klima, und sie bilden ein widerstandsfähiges Immunsystem aus. Auch lässt sich im Winter erkennen, dass die Tiere ein Winterfell anlegen. Damit die kleinen Kälber nicht frieren, werden sie in einer dicken Strohschicht gebettet und mit ausreichend Energie versorgt.

Womit wir auch schon beim zweiten Punkt sind - der Fütterung. Im vorletzten Jahr haben wir in eine neue Fütterungstechnik investiert. Sie mischt die einzelnen Komponenten computergestützt zusammen. Das gibt uns die Möglichkeit die Tiere, je nach Alter und Gewicht, bedarfsgerecht zu versorgen. Jede Unter- oder Überversorgung des Tieres schwächt es und beeinflusst das Darmsystem. Hier liegt der Schlüssel der Tiergesundheit - nur ein gesunder Darm macht ein gesundes Tier! Zur Unterstützung der Darmflora setzen wir seit ungefähr einem halben Jahr Kräuter (Thymian, Rosmarin, Oregano, Malve, Süßholz, …) in der Fütterung ein. Sie stabilisieren den Darm, regen den Appetit an und verdrängen krankmachende Keime aus dem Organismus, in dem sie den Platz an den Darmzotten belegen. Mit den bisherigen Ergebnissen sind wir sehr zufrieden. Wir haben den Eindruck gewonnen, dass die Tiere besser drauf und weniger anfällig sind. Die Kräuter werden zunächst über die Milch und später über das Futter gegeben. Auch andere probiotisch Stoffe (ätherische Öle, lebend Hefen,..), die der Verdauung dienen kommen zum Einsatz. Den Einsatz homöopathischer Mittel haben wir auch schon ausprobiert. Er ist aber nach unserer Meinung für die Mast nicht zu gebrauchen. Der Besuch der EUROTIER in Hannover (weltweite Leitmesse für die Tierhaltung) im letzten November hat gezeigt, dass das Interesse an solchen Präparaten auf immer größeres Interesse bei den Landwirten und den Futtermittelherstellern stößt.
Meine kurze Ausführung sollte zeigen, dass die Landwirte stetig daran arbeiten, die Gesundheit ihrer Tiere zu verbessern. Auch sie sind daran interessiert den Einsatz von Antibiotka wenn möglich zu vermeiden. Auch wir werden diesen Weg weiterverfolgen. Allerdings es ist zu betonen, dass es als Tierhalter unsere Pflicht ist, ein krankes Tier tierärztlich behandeln zu lassen. Und wenn der Tierarzt eine bakterielle Infektion diagnostiziert, ist der Einsatz von einem Antibiotikum im Rahmen der rechtlichen Bestimmung unabdingbar! Das Wohl des Tieres muss hier an erster Stelle stehen.

 

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